Zur Rolle von Psychoedukation bei der Behandlung einer Ess-Störung

Über die Rolle von Psy­choe­duka­tion bei der Behand­lung von Mager­sucht aus Sicht ein­er ehe­ma­li­gen Pati­entin

Es gibt viele Kom­po­nen­ten, die im Falle ein­er psy­cho­so­ma­tis­chen Krankheit wie der Mager­sucht dazu führen kön­nen, dass die Pati­entin sich (endlich) auf den Weg macht. Für mich per­sön­lich war eine davon sicher­lich die Psy­choe­duka­tion.

Bere­its in der so genan­nten Moti­va­tion­sphase, wenn Ther­a­peuten und kün­ftige Pati­entin­nen sich abtas­ten und ken­nen ler­nen, stell­ten die möglichen Auswirkun­gen des Hungerns für mich als Betrof­fene beein­druck­ende Infor­ma­tio­nen dar. Sie zeigten auf, dass mein stra­paziert­er Kör­p­er dur­chaus kleinere und größere Schä­den erlit­ten haben kön­nte. Etwas, was mir zu dem Zeit­punkt erstens egal war und ich zweit­ens nicht für möglich gehal­ten hätte.

Lanu­go-Behaarung und Liquor­raum-Erweiterung im Gehirn, diese Begriffe hörte ich das erste Mal vor mehr als 25 Jahren und kann sagen, dass ich sie bis heute nicht vergessen habe. Nicht, weil ich damals das Gefühl hat­te, die Ther­a­peuten set­zten auf Abschreck­ung oder woll­ten mir Angst machen: Die Aufk­lärung über Hypother­mie ver­bun­den mit der Blaufär­bung von Fin­gern, Zehen, Ohren, die Gefahren eines ver­langsamten Herz­schlags, die Ver­min­derung der Knochen­dichte mit der Spät­folge Osteo­porose, all das löste vielmehr ein zartes Mitleid mit mir selb­st aus und bestärk­te mich auf beson­dere Weise in dem Wun­sch, den ich eigentlich kaum auszus­prechen wagte: Gibt es einen anderen Lebensweg für mich?

Damit ist die Aufk­lärung über die Krankheit­srisiken der Mager­sucht aus mein­er Sicht eben­so zielführend wie die spätere Ther­a­pie mit allen denkbaren Bausteinen. Sie auszus­paren würde heißen, am Patien­ten vor­bei zu han­deln und als Ther­a­peut Ver­schleierung anstelle von Trans­parenz zu wählen. Ger­ade an dieser Stelle würde jedoch vergeben, was Psy­choe­duka­tion ver­mag: dem Patien­ten das Gefühl zu geben, ihn in seinem Krank­sein ernst zu nehmen und zu motivieren. Ich habe geweint, als ich sein­erzeit von Liquor­raum-Erweiterung hörte und kon­nte echte Anteil­nahme von der Ther­a­peutin erfahren. Ist das nicht ein guter Anfang?

 

Erzähl uns, wie du das The­ma Psy­choe­duka­tion bei dein­er Ther­a­pie erlebt hast. Bist du hin­re­ichend aufgek­lärt wor­den? Wie bew­ertest du es, über mögliche Fol­gen dein­er Krankheit Bescheid zu wis­sen? Schreib uns gern eine Email…

2018-05-24T12:44:01+00:00Juni 30th, 2018|Therapie erleben|