Zunehmen, ohne sich schlecht zu fühlen — wie geht das?

Ich habe in der Klinik inner­halb von 6 Wochen ca. 8 kg zugenom­men. Auch nach 6 Wochen hat­te ich nach jed­er Mahlzeit das Gefühl, mein Magen platzt, selb­st mor­gens war ich noch satt. Brauche ich mehr Geduld?

Ich füh­le mich jet­zt unför­mig, plump und unat­trak­tiv, weiß aber, dass ich noch mehr zunehmen muss. Wie kann ich ler­nen, das „Mehr“ auszuhal­ten?”

Antwort 1

Geduld ist ein gutes Stich­wort. Zunehmen ist keine ein­fache Sache, das weiß ich aus eigen­er Erfahrung nur zu gut. Es ist abso­lut in Ord­nung und nor­mal, dass du dich so voll fühlst. Auch wenn andere Men­schen sagen, dass man sich das nur ein­bildet. Es ist so und man fühlt es so. Da kann kein­er etwas anderes behaupten. Aber es wird mit der Zeit bess­er. Ver­suche in Momenten, in denen es sich fast unerträglich anfühlt, etwas zu machen, das dich ablenkt. Ich fand es immer hil­fre­ich, Hör­büch­er zu hören und spazieren zu gehen. Dabei habe ich mich immer gezwun­gen, den Geschicht­en zu fol­gen. Oder mach etwas anderes, was dir gut­tut. Triff dich mit Fre­un­den oder Fre­undin­nen und ver­suche dich auf das Gespräch – abseits von The­men wie Essen und Gewicht —  zu konzen­tri­eren. Sieh es wie eine Übung, die irgend­wann zum All­t­ag wird. Gib nicht auf. Oft kann man mehr, als man eigentlich denkt.

Antwort 2

8 kg sind eine Menge, du hast also wirk­lich sehr viel geleis­tet in den let­zten Wochen – auch wenn es sich erst­mal nicht danach anfühlt!! Es ist klar, dass dein Geist und dein Kör­perge­fühl da noch hin­ter­herkom­men müssen, ins­beson­dere, weil in der Zeit dein­er Krankheit ein großer Teil oder dein gesamter Lebensin­halt im Abnehmen bestand. Ich kann dein Gefühl sehr gut ver­ste­hen! Für mich waren zwei Dinge entschei­dend:

Mir bewusst zu machen, dass ich ger­ade dabei bin, einen großen Schritt gegen meine Krankheit zu tun; was sich für dich in den Momenten der Völle wie eine Nieder­lage anfühlt, sehe ich bei dir als einen muti­gen, selb­st­be­wussten Schritt, einen Kampf gegen die Gefan­gen­schaft der Krankheit, den du aufn­immst! Aber es ist mir klar, dass das in konkreten Momenten nicht hil­ft, daher glaube ich auch, dass es ganz wichtig ist, Dinge zu tun, die dir Spaß machen und gut tun, und die dich ablenken. Triff dich mit Fre­un­den, hör Musik, geh spazieren, mal ein Bild dazu, wie du dich nach dem Essen fühlst! Extrem wichtig ist, dass du in deinem verän­derten Kör­p­er ankommst. Daher fand ich Kör­perübun­gen, kon­trol­lierte Bewe­gung  und Entspan­nung hil­fre­ich – vielle­icht kannst du eine solche Ther­a­pie besuchen oder einen VHS-Kurs besuchen. Belohne dich richtig für die wirk­lich große Leis­tung, die du ger­ade erbringst. Und: denk so wenig wie möglich an die Kilos, die noch vor dir liegen mögen.

Über den Autor/ die Autorin

ehemalige Patientin(nen) des TCEforum

2018-09-29T10:20:30+00:00September 29th, 2018|Aktuelles, Innenansichten|