Ursachen medizinischer Komplikationen bei Ess-Störungen

Medi­zinis­che Begleit­er­schei­n­un­gen und Kom­p­lika­tio­nen sind wichtige Bestandteile der Ess-Störun­gen und nahezu unver­mei­dlich, je länger die Grun­derkrankung beste­ht. Sie kön­nen nahezu alle Organ­sys­teme betr­e­f­fen, wenn auch in vari­abler Häu­figkeit und sehr unter­schiedlich­er Bedeu­tung, was die Gefährdung bet­rifft. Das Spek­trum reicht von eher kos­metis­chen Prob­le­men, wie zum Beispiel Verätzun­gen am Fin­ger­rück­en durch das Aus­lösen des Würg­ere­flex­es, bis hin zu akuten lebens­bedrohlichen Kom­p­lika­tio­nen, zum Beispiel durch Herzrhyth­musstörun­gen.

Ursache und Schw­ere­grad von medi­zinis­chen Kom­p­lika­tio­nen hän­gen davon ab, ob eine Pati­entin oder ein Patient an ein­er restrik­tiv­en (asketis­chen) Form ein­er Anorex­ie lei­det, an ein­er bulim­is­chen Anorex­ie oder an ein­er Bulim­ia nervöse und welche Art von kom­pen­satorischen Maß­nah­men zur Gewicht­sreg­u­la­tion einge­set­zt wer­den. Auch die Dauer der Krankheit spielt eine Rolle. Die wichtig­sten Ursachen, die zum Auftreten von Kom­p­lika­tio­nen führen, sind fol­gende:

  1. Man­gel- und Unter­ernährung: Reduzierung der Nahrungs­menge, qual­i­ta­tive Ein­schränkung, ein­seit­ige Ernährung, dadurch entste­hen­der Man­gel an wichti­gen Nährstof­fen, Min­er­al­salzen oder Spurenele­menten
  2. Häu­figes Erbrechen: Schä­den durch die Säure des Magen­in­halts (z. B. Karies), Flüs­sigkeitsver­lust (z. B. bei mehrmals täglichem Erbrechen), wenn er nicht aus­re­ichend bilanziert wird.
  3. Miss­brauch von Medika­menten bzw. Nahrungsergänzungsmit­teln: Alle Medika­mente bzw. Stoffe, die zu ein­er Gewicht­sre­duk­tion ver­wen­det wer­den, z. B. Abführmit­tel (Lax­anzien), entwässernde Medika­mente (Diureti­ka), Schild­drüsen­hor­mone, Süßstoff.
  4. Über­mäßige Nahrungs- und Trinkmen­gen: Dehnung des Magens durch Zufuhr ungewöhn­lich­er Men­gen, bei Wasser­trinken zusät­zlich Gefahr ein­er Wasser­in­toxika­tion.
  5. Über­mäßige kör­per­liche Bewe­gung (motorische Hyper­ak­tiv­ität): Exzes­sive Bewe­gun­gen kön­nen zu gefährlichen Herzrhyth­musstörun­gen führen, eine Hyper­glykämie (= krankhaft ver­mehrte Glukose-Menge im Blut) provozieren und die Entwick­lung ein­er Osteo­porose begün­sti­gen.

Über den Autor/ die Autorin

Monika Gerlinghoff / Herbert Backmund / Cordula Obermeier

aus: Essen will gel­ernt sein — Bei Essstörun­gen und auch son­st. Beltz 2017, ISBN 978–3-407–86489-5

2018-05-24T12:40:51+00:00Juni 12th, 2018|Fachliches|