Therapeutisch sinnvolle Gewichtsveränderungen

Pati­entin­nen und Patien­ten mit ein­er Ess-Störung machen sich teil­weise rund um die Uhr Gedanken ums Essen. Meist han­delt es sich um ängstliche und quälende Über­legun­gen über Art und Zusam­menset­zung der Nahrung und natür­lich über die Menge. Pro­fes­sionelle Behand­lun­gen gehen auf diese Krankheitssymp­tome ein und motivieren die Betrof­fe­nen, im Rah­men ein­er Ernährungs­ther­a­pie ein nor­males Essver­hal­ten wieder zu erler­nen.

Gewicht­szu­nahme und -abnahme

Ther­a­peutisch gewün­schte Gewichtsverän­derun­gen sollen, in bei­den Rich­tun­gen, in angemessen­er Zeit und keines­falls zu rasch erfol­gen. Für sta­tionäre Ein­rich­tun­gen ist eine Gewichts­be­we­gung von ca. 500 g pro Woche zu empfehlen, im Sinn der Nach­haltigkeit des Erre­icht­en sind größere Schritte nicht so gün­stig. Von Crash-Diäten oder über­re­ich­lich­er Kalo­rien­zu­fuhr ist nichts zu hal­ten. Außer­halb ein­er Klinik wird eine Zu- bzw. Abnahme von 200 g — 300 g pro Woche emp­fohlen.

Bei stark untergewichti­gen Pati­entin­nen — oder auch nach mehrtägiger Nahrungskarenz — beste­ht durch zu rasche oder über­mäßige Kalorien-(Energie-)Zufuhr die Gefahr, dass ein soge­nan­ntes Refeed­ing-Syn­drom aus­gelöst wird, das meist mit schw­eren medi­zinis­chen Kom­p­lika­tio­nen ein­herge­ht. Die Ursache dieser kom­plex­en Kom­p­lika­tion ist nicht voll­ständig gek­lärt, u. a. spielt das anor­gan­is­che Phos­phat im Blut eine wichtige Rolle. Zu empfehlen ist zu Beginn eine Energiezu­fuhr von 20 bis 40 kcal pro kg Kör­pergewicht, bei Kindern und Jugendlichen (11 bis 18 Jahre) von 50 bis 60 kcal pro kg Kör­pergewicht pro Tag. Für Erwach­sene gibt es hochkalorische Trinknahrung (300 kcal pro Bech­er), die eine langsame Energiezu­fuhr in Stufen vor­sieht. Diese emp­fiehlt sich in Einzelfällen vorüberge­hend auch für Pati­entin­nen mit niedrigem BMI in ambu­lanter Behand­lung, etwa als Zwis­chen­mahlzeit, wenn ihnen die notwendi­ge Gewicht­szu­nahme mit nor­maler Kost beson­ders schw­er fällt.

Trinken

Die Min­er­al­wasser­flasche ist all­ge­gen­wär­tig. Bei Pati­entin­nen und Patien­ten mit ein­er Ess-Störung muss nicht sel­ten eine Ober­gren­ze der Flüs­sigkeits­menge pro Tag beachtet wer­den. Auch Wasser­trinken kann zum Symp­tom wer­den; bei Men­gen von mehr als 3 bis 4 Litern pro Tag kön­nen medi­zinis­che Kom­p­lika­tio­nen auftreten, z. B. durch Ver­schiebung der Min­er­al­salzspiegel des Organ­is­mus.

 

Foto: Bernhard_Staerck bei pixabay.com

Über den Autor/ die Autorin

Monika Gerlinghoff / Herbert Backmund / Cordula Obermeier

aus: Is(s) was?! Ess-Pro­gramm mit Rezepten. Beltz 2017. ISBN 978–3-407–22288-6. 44 Seit­en. Als E-Book bei Beltz.de für 2,49 Euro herun­ter­lad­bar.

2018-08-12T13:29:08+00:00August 20th, 2018|Fachliches|