Ratschläge für Betroffene von ehemaligen Patientinnen

Bin ich ess­gestört? Woran mach ich das fest? Wie soll ich das anstellen, wieder gesund zu wer­den? Lohnt es sich über­haupt?

Ess­gestörte Men­schen haben 1000 Fra­gen an und über die Krankheit, 1000 Ein­wände, warum sie sie nicht aufgeben wollen und doch immer wieder die Hoff­nung, dass das Leben ohne Essstörung schön­er ist. Nach­fol­gend haben ehe­ma­lige Pati­entin­nen aus dem TCE­fo­rum Tipps und Ratschläge für akut Betrof­fene aufgeschrieben.

  • Wenn du das Gefühl hast, dass du dein Essen nicht im Griff hast, steckt oft viel Tief­eres dahin­ter. Ver­such her­auszufind­en, was das ist.
  • Das sichere Gefühl, dass alles gut wird, wenn du dein Traumgewicht hast, ist ein Irrglaube. Egal wie wenig du wiegst – du wirst nie zufrieden damit sein kön­nen.
  • Essstörun­gen schränken unser Leben ein! Gib dich damit nicht zufrieden!
  • Der Hunger unser­er Seele ist schw­er zu stillen, noch so riesige Nahrungs­men­gen kön­nen uns nicht satt machen.
  • Wir wollen geliebt und wahrgenom­men wer­den, Mitleid und Sor­gen sind nicht das, was wir suchen
  • Mager­sucht und Bulim­ie zer­stören. Such dir jeman­den, der dir deine wahren Stärken zeigt.
  • Essen kann deine Leere nicht füllen, Essen kann dir keinen Fre­und und keine Fre­undin erset­zen.
  • Mager­sucht und Bulim­ie machen ein­sam. Du ent­fernst dich immer weit­er von denen, deren Nähe du eigentlich suchst.
  • Nie­mand ver­liebt sich in eine Bauchkuh­le oder dünne Ober­schenkel.
  • Wenn du zu deinem Arzt (Jugen­darzt, Hausarzt, Fraue­narzt) gehst, sage die ganze Wahrheit und nicht die halbe.
  • Wenn du auf einen Ther­a­pieplatz wartest, nimm nicht noch weit­er ab, es geht um dich und nicht darum, wer die Dünnste in der Gruppe ist.
  • Trau dich, dich selb­st bedürftig und krank zu nen­nen. Du bist es! Und du darf­st um Hil­fe bit­ten und sie annehmen.
  • Du hast so viel Kraft und Energie dafür aufgewen­det, per­fekt zu sein. Lass los! Üb es ganz bewusst, nicht per­fekt zu sein und alles zu 100% zu erledi­gen. Deine Auf­gabe ist es, 90% auszuhal­ten, Wet­ten, es ist immer noch richtig, richtig gut?!
  • Ver­such nicht, mit dein­er Trau­rigkeit, dein­er Wut, dein­er Ohn­macht, mit der Sack­gasse, in der du steckst, allein fer­tig zu wer­den. Such dir kom­pe­tente, zuge­wandte, vorauss­chauende, dich wahrnehmende Ther­a­peuten.
  • Die Mager­sucht ist eine Sack­gasse. Es gibt kein lebenswertes Leben mit »ein biss­chen Mager­sucht«. Du musst die Krankheit ver­ab­schieden. Keine Frage, dass du dafür Zeit und vor allem pro­fes­sionelle Hil­fe brauchst. Was dann kommt? Dein Leben mit allen, allen Seit­en, schöne und hässliche, anstren­gende und genussvolle, langsame und schnelle, aber vor allem: dein Leben ohne Gewicht­skon­trolle, Selb­stkasteiung, Essen sparen, Zwänge. Du kannst ler­nen zu leben.
  • Nie­mand kommt mager­süchtig auf die Welt. Was war dein Schick­sal? Wie heißt deine Last? An welche Stelle hast du die Mager­sucht gebraucht, um nicht völ­lig unterzuge­hen? Trau dich, hinzuschauen!

Über den Autor/ die Autorin

ehemalige Patientin(nen) des TCEforum

2018-10-15T12:52:32+00:00Oktober 15th, 2018|Aktuelles, Denkanstöße|