Normal essen — wann geht das wieder?

Frage 1

Wie lange habt ihr nach einem Essen­s­plan essen müssen bzw. wann habt ihr den Punkt gefun­den, ohne Essen­s­plan leben zu kön­nen? Mich per­sön­lich schränkt der Essen­s­plan ein, ich würde gern ohne essen, aber ich kann nicht, weil ich dann abnehme, da ich mich nicht meinen „Gelüsten“ hingeben kann, weil immer der Gedanke da ist: Das ist zu viel!”

Antwort 1

So lange das so ist, bleib beim Essen­s­plan. Es ist keine Schande. Ich weiß, dass es manch­mal ner­ven kann, aber es ist wichtig für DICH. Wenn du dich nach einiger Zeit sicher­er fühlst, kannst du begin­nen inner­halb deines Essen­s­planes etwas spon­tan­er zu sein. Aber ver­ab­schiede dich von dem Gedanken – zumin­destens am Beginn – entwed­er Essen­s­plan oder ganz ohne eben jenen. Es gibt einiges dazwis­chen. Beispiel­sweise spon­tan mit Fre­un­denIn­nen Essen gehen und das Aben­dessen verän­dern oder vieles mehr. Der Essen­s­plan ist wichtig und richtig so lange du ihn brauchst – auch wenn du es dir anders wün­scht. Nimm dir die Zeit die du brauchst. Du wirst sehen es gibt noch viele, viele Jahre in denen du dein Essen freier gestal­ten kannst.

Antwort 2

Das kann ich gut ver­ste­hen – der Essen­s­plan ist eine gewisse Ein­schränkung. Er ist aber für mich auch immer eine große Stütze gewe­sen!! Denn er befre­it dich von den quälen­den Gedanken um das näch­ste Essen (oder nicht-Essen), um zu viel oder zu wenig! Dass der Essen­s­plan dich ein­schränkt, ist mein­er Mei­n­ung nach auch ein Gedanke, hin­ter dem sich die Essstörung ver­steck­en kann. Ich weiß, dass es hart ist zu sehen, dass viele Mäd­chen und Frauen, die „nor­mal“ essen kön­nen, sich zum Teil extrem viele Gedanken um Kalo­rien und ihre Fig­ur machen. Die kön­nen sich schein­bar „frei“ entschei­den, was und wann sie essen, sind aber let­ztlich auch von ihren Gedanken um Essen und Fig­ur getrieben.

Ich habe lange nach dem Essen­s­plan gegessen und tue das immer wieder in unsicheren Zeit­en. Aus dein­er Frage klingt her­aus, dass du selb­st weißt, dass es momen­tan noch zu früh ist, ohne Essen­s­plan auszukom­men. Aber der Zeit­punkt wird kom­men, an dem du freier wer­den kannst.

 

Frage 2

Wie habt ihr gel­ernt, was eine „nor­male“ Por­tion ist?”

Antwort 1

Das hat schon eine ganze Zeit gedauert. Sehr geholfen hat mir in der Ther­a­pie, dass wir unsere Por­tio­nen ab ein­er gewis­sen Zeit selb­st abschätzen soll­ten und dabei auch Unter­stützung von ein­er Diä­tas­sis­tentin bekom­men haben. So hat­te ich eigentlich schon eine gute visuelle Vorstel­lung davon, was meine Por­tion ist. Den­noch: die erste Zeit nach der Ther­a­pie war eine extrem unsichere. Im Nach­hinein kann ich sagen, dass man sich ruhig auch Zeit geben darf, das „nor­male“ Essen zu ler­nen: in sehr unsicheren Zeit­en kann es hil­fre­ich sein, Por­tio­nen ab zu wiegen. Irgend­wann hab ich mir das Ziel geset­zt, im Restau­rant ein­fach auf zu essen. Ohne dass ich es bemerkt habe, ist irgend­wann der Zeit­punkt gekom­men, an dem ich mir ein­fach eine Por­tion nehmen kon­nte.

Antwort 2

Ich kann dir nur rat­en, mit Fre­undIn­nen und Men­schen, die du magst, zu kochen oder essen zu gehen. Ver­suche dabei nicht über Essen oder Gewicht zu sprechen, son­dern finde The­men, über die ihr gerne sprecht. Let­ztlich geht es weniger darum, was eine „nor­male“ Por­tion ist, son­dern was gut für dich ist, was dein Kör­p­er braucht. Das hängt auch viel damit zusam­men, wie dein All­t­ag aussieht, aktiv oder eben weniger aktiv.

Am Anfang hat es mir auch geholfen, mir von Men­schen, denen ich ver­traue – bei mir über­wiegend Fre­undIn­nen – eine Por­tion geben zu lassen. Kein­er will dich mästen, auch wenn man das am Anfang denkt. Glaub mir, ich kenne diesen Gedanken nur zu gut. Ver­such es ein­mal und spreche dabei über etwas anderes, wie gesagt. Mit der Zeit und den schö­nen gemein­samen Aben­den oder Essen wird es bess­er.

Über den Autor/ die Autorin

ehemalige Patientin(nen) des TCEforum

2018-09-28T19:25:51+00:00Oktober 2nd, 2018|Aktuelles, Innenansichten|