Neues zu Anorexia nervosa und Bulimie

Pre­miere auf dem 24. Kongress für Jugendmedi­zin in Weimar: Zum ersten Mal war das TCE­fo­rum mit dem neuen Blog zu Gast auf ein­er kon­gress­be­glei­t­en­den Ausstel­lung.

Große Beach­tung fand neben vie­len inter­es­san­ten Vorträ­gen und Sem­i­naren der Vor­trag von Univ.-Prof. Dr. med. Beate Her­pertz-Dahlmann (Aachen) zum The­ma “Neues zu Ess-Störun­gen — Anorex­ia ner­vosa und Bulim­ie”.

Das Wichtig­ste kön­nt Ihr/können Sie hier noch ein­mal zusam­menge­fasst lesen:

A) Verän­derte Klas­si­fika­tion­skri­te­rien für die AN nach DSM-5:

  1. eingeschränk­te Energieauf­nahme (statt, wie bis­lang kon­sta­tiert, die Nahrungsver­weigerung)
  2. aus­geprägte Angst vor Gewicht­szu­nahme
  3. Wahrnehmungsstörung (Kör­per­schemas­törung)

Unter­schieden wer­den weit­er­hin der restrik­tive AN-Typus, der streng Diät hält, und der binge-eat­ing/purg­ing-Typus (gele­gentliche Essan­fälle und Erbrechen).

Als Kri­te­rien in den Hin­ter­grund gerückt sind die Amen­or­rhoe, weil ins­beson­dere bei jün­geren Pati­entin­nen noch gar keine Men­stru­a­tion einge­set­zt hat, sowie der Abführmit­telmiss­brauch. Starkes Untergewicht ist natür­lich immer noch ein Kri­teri­um, allerd­ings nimmt die atyp­is­che Mager­sucht zu — das wiederum bedeutet für Kinder- und Jugendärzte, dass sie bei ihren schein­bar nor­mal­gewichti­gen Pati­entin­nen drin­gend den Gewichtsver­lust abfra­gen müssen. Wieviel wurde in welch­er Zeit abgenom­men? Wer von einem höheren Kör­pergewicht kom­mend in kurz­er Zeit viel abgenom­men hat, ste­ht unter der­sel­ben psy­chis­chen Belas­tung und den Fol­gen von Man­gel­ernährung — etwa Hirn­schädi­gun­gen.

Her­pertz-Dahlmann wies darauf hin, dass Früherken­nung und -behand­lung bei Ess-Störun­gen von enormer Wichtigkeit sind, ist doch medi­zinisch erwiesen, dass die mit dem Hungern ein­herge­hen­den, das Gehirn schädi­gen­den Verän­derun­gen (z. B. Erweiterung der Liquor­räume) nach ca. 3 Jahren Krankheits­dauer irre­versibel sein kön­nen. Auch aus diesem Grund ist eine Gewicht­szu­nahme in der Ther­a­pie primäres Ziel.

B) Verän­derte Klas­si­fika­tion­skri­te­rien für die Bulim­ia ner­vosa nach DSM-5:

Das Krankheits­bild BN ist erfüllt

  1. ab einem Essan­fall pro Woche (davor: zwei)
  2. Heißhunger­at­tack­en
  3. Nor­mal­gewicht

Die Kri­te­rien Erbrechen und Abführmit­telmiss­brauch fall­en als Haup­tkri­te­rien weg.

Weltweit sind Mager­sucht und Bulim­ie die 12.häufigste Krankheit bei den 15- bis 19Jährigen.

C) Genetis­che Dis­po­si­tion erwiesen

2017 hat eine inter­na­tionale Forscher­gruppe mit Beteili­gung der Uni­ver­sität Duis­burg-Essen nach Auswer­tung der Dat­en von rund 3500 Pati­entin­nen mit Mager­sucht einen Hit auf Chro­mo­som 12 aus­machen kön­nen. Dies, so Her­bertz-Dahlmann, stelle zum Teil eine große Ent­las­tung für die Betrof­fe­nen und ihre Fam­i­lien dar.

2018-04-30T18:46:39+00:00April 16th, 2018|Fachliches|