Kernsätze aus medizinischer Sicht

  • Die als Mager­sucht und Bulim­ie bekan­nten Ess-Störun­gen sind wed­er eine vorüberge­hende Pubertät­skrise noch ein Mod­et­ick.
  • Ess-Störun­gen sind Krankheit­en.
  • Nicht nur die seel­is­chen, auch die kör­per­lichen Folgeschä­den der Ess-Störun­gen kön­nen gravierend sein.
  • Nicht jed­er Arzt oder jede Ärztin ist mit der klin­is­chen Erschei­n­ung ein­er Ess-Störung ver­traut.
  • Neg­a­tive Ergeb­nisse kör­per­lich­er Unter­suchun­gen dür­fen Eltern nicht zu dem Schluss ver­leit­en, dass eine Ess-Störung aus­geschlossen ist.
  • Mager­süchtige mit starkem Untergewicht kön­nen lebens­bedrohlich krank sein.
  • Die Sterblichkeit­srate bei Mager­süchti­gen beträgt in den ersten Krankheit­s­jahren 5 bis 6 Prozent, nach fün­fzehn bis zwanzig Jahren 10 bis 20 Prozent.
  • Die Mager­sucht wurde erst­ma­lig im 17. Jahrhun­dert in Eng­land beschrieben.
  • Ende des 19. Jahrhun­derts lagen in Eng­land und Frankre­ich bere­its Erken­nt­nisse über die Anorex­ia ner­vosa, ihre möglichen Ursachen, Symp­tome und Krankheitsver­läufe vor, die den heuti­gen ähn­lich sind.
  • Damals wie heute erkrank­ten über­wiegend Mäd­chen und junge Frauen an dieser Ess-Störung.
  • Das Ver­hält­nis Mäd­chen zu Jun­gen ist heute etwa 20 zu 1.
  • Das Erkrankungsalter liegt meis­tens zwis­chen 12 und 25 Jahren, wobei sich der Beginn immer weit­er nach unten ver­schiebt.
  • Seit 1980 ist die Bulim­ie eine eigene diag­nos­tis­che Kat­e­gorie.
  • Die Kom­bi­na­tion von Mager­sucht mit bulim­is­chem Ver­hal­ten nimmt zu.
  • Bulim­ie kommt auch ohne Mager­sucht vor.
  • Ess-Störun­gen wer­den heute nicht sel­ten von Alko­hol- und Medika­menten­miss­brauch begleit­et.
  • Ess-Störun­gen sind häu­fig mit anderen psy­chis­chen Erkrankun­gen wie Angst- oder Zwangskrankheit, Depres­sio­nen sowie Per­sön­lichkeitsstörun­gen ver­bun­den.
  • Eine ein­deutige Ursache der Ess-Störun­gen ist bish­er nicht bekan­nt.
  • Das kom­plexe Krankheits­geschehen lässt sich nur aus dem Zusam­men­tr­e­f­fen ver­schieden­er äußer­er und inner­er Fak­toren erk­lären.
  • Die Ess-Störung entste­ht häu­fig unmerk­lich.
  • Die Symp­tome gehen über die Nahrungsauf­nahme und das Ess-Ver­hal­ten hin­aus.
  • Das famil­iäre Ess-Ver­hal­ten kann eine pathol­o­gis­che Ein­flussgröße sein.
  • Das Zusam­men­wirken von Per­sön­lichkeitsmerk­malen der Betrof­fe­nen und elter­lichen Ver­hal­tensweisen begün­sti­gen die Krankheit.
  • Die Ess-Störung erfüllt eine wichtige Funk­tion im Leben der Pati­entin. Diese zu erken­nen und zu ver­ste­hen, ist eine wesentliche Voraus­set­zung für eine erfol­gre­iche Ther­a­pie.
  • Die Ess-Störung ist häu­fig ein Hil­feschrei.
  • Psy­chother­a­pie bietet keine Paten­trezepte. Sie erfordert den Ein­satz der ganzen Per­son.
  • Es gibt keine „beste“ Behand­lungsmeth­ode.
  • Eine Behand­lung kann, je nach indi­vidu­eller Krankengeschichte, teil­sta­tionär oder sta­tionär durchge­führt wer­den.
  • Die Dauer der Behand­lung hängt von der Schwere und Dauer der Krankheit ab.
  • Die Ther­a­pie ist nicht nur ein möglich­er Ausweg aus der Krankheit, son­dern die Chance für ein erfülltes Leben.
  • Pati­entin­nen sind die wahren Exper­tin­nen der Ess-Störun­gen.
  • Eltern kön­nen nicht als Ther­a­peuten fungieren.
  • Lehrer kön­nen nicht als Ther­a­peuten fungieren.
  • Eltern kön­nen die Ther­a­pie pos­i­tiv oder neg­a­tiv bee­in­flussen.
  • Die Über­win­dung der Ess-Störung kann eine Chance für die ganze Fam­i­lie bedeuten.

 

Abb.: TCE­fo­rum

Über den Autor/ die Autorin

Dr. med. Monika Gerlinghoff und Dr. med. Herbert Backmund

Dr. med. Moni­ka Ger­ling­hoff ist Fachärztin für Ner­venkrankheit­en, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsy­chi­a­trie und Ver­hal­tens­ther­a­peutin mit Weit­er­bil­dungser­mäch­ti­gung. Dr. med. Her­bert Back­mund ist Facharzt für Ner­venkrankheit­en. 2008 grün­de­ten die bei­den Ärzte das TCE­fo­rum in München.

Die Ein­rich­tung ist aus dem Ther­a­pie-Cen­trum für Essstörun­gen (TCE) her­vorge­gan­gen, ein­er auf Präven­tion, Diag­nos­tik und Behand­lung von Essstörun­gen spezial­isierten tagk­lin­is­chen Behand­lung­sein­heit mit angeschlosse­nen Wohn­grup­pen, dessen ver­hal­tens­ther­a­peutisch ori­en­tiertes Behand­lungskonzept Gerlinghoff/Backmund ab 1987 am Max-Planck-Insti­tut für Psy­chi­a­trie entwick­elt haben.

2018-04-20T14:56:39+00:00März 19th, 2018|Fachliches|