Informieren Sie sich selbst über Ess-Störungen

Ess-Störun­gen sind Krankheit­en, die häu­fig im Schu­lal­ter begin­nen. Viele Lehrerin­nen und Lehrer begeg­nen in ihrem Beruf­sleben Jugendlichen, die z. T. recht offen­sichtlich an ein­er Ess-Störung erkrankt sind. Vielfach entste­ht die Frage: Wie ver­halte ich mich gegenüber Betrof­fe­nen? Hier kommt Teil 2 der Vorschläge ehe­ma­liger Pati­entin­nen und Vertreterin­nen der Pati­entin­nenini­tia­tive des TCE­fo­rum:

  • Informieren Sie sich selb­st über Ess-Störun­gen. Je mehr Sie wis­sen, desto bess­er kön­nen Sie mir und anderen Betrof­fe­nen helfen!
  • Führen Sie Infor­ma­tionsver­anstal­tun­gen an der Schule durch. So sind alle für das The­ma Ess-Störun­gen sen­si­bil­isiert, und ich kann eher auf Ver­ständ­nis und Hil­fe hof­fen.
  • Machen Sie keine abfäl­li­gen Bemerkun­gen über Ess­gestörte, Fig­ur oder Essver­hal­ten. Das ver­let­zt mich, und außer­dem füh­le ich mich so nicht erst genom­men.
  • Ich wün­sche mir, dass Sie ver­suchen, mich in die Klasse zu inte­gri­eren. Ich will dazuge­hören und mit­machen, traue mich aber oft nicht, selb­st zu fra­gen oder etwas zu organ­isieren.
  • Seien Sie aufmerk­sam gegenüber Mob­bing der Schüler untere­inan­der, und reagieren Sie vor allem darauf! Das macht eine bessere Atmo­sphäre und ver­mit­telt das Gefühl, im Not­fall nicht allein­ge­lassen zu wer­den. Außer­dem kön­nen Sie schon im Ansatz auf viele Ursachen für die Entste­hung ein­er Ess-Störung reagieren.
  • Sagen Sie bitte nicht, wenn eine Mager­süchti­gen nach ein­er erfol­gre­ichen Ther­a­pie in ein­er Klinik in die Klasse zurück­kommt: “Jet­zt siehst du aber gut aus!” Oder, was noch viel schreck­lich­er ist: “Schön, wie du zugenom­men hast.” Für eine ehe­mals Mager­süchtige, die ihre Krankheit ger­ade loslässt, bedeutet das: Gott, wie bist du fett gewor­den! Sagen Sie ein­fach: “Schön, dass du wieder da bist.”
  • Behan­deln Sie mich nicht wie ein rohes Ei, son­dern wie einen nor­malen Men­schen.
  • Unter­stützen Sie Schüler, die sich selb­st unter enor­men Leis­tungs­druck stellen, nicht noch dabei! Son­st entste­ht der Ein­druck, dass Anerken­nung und Aufmerk­samkeit von Leis­tung abhän­gen.
  • Lassen Sie mich nicht fall­en und ver­suchen Sie es weit­er, auch wenn ich zunächst sehr abweisend reagiere. Mir fällt es schw­er, zuzugeben, dass es mir schlecht geht; außer­dem ist es mir pein­lich, ange­sprochen zu wer­den. Ins­ge­heim freue ich nicht aber, dass Sie sich für mich inter­essieren.

 

Abb.: rawpixel.com

Über den Autor/ die Autorin

Dr. Gerlinghoff / Dr. Backmund und Patientinnen des TCEforum

aus: „Is(s) was?!“ Eine Infor­ma­tion von Lehrerin­nen und Lehrer (als E-Book bei Beltz für € 1,99)

2018-04-22T15:53:07+00:00April 22nd, 2018|Denkanstöße|