Hinter verschlossenen Türen

Meine Mager­sucht duldete nie­man­den neben ihr. Sie war streng. Als ich mich damals von heute auf mor­gen von meinem Fre­und tren­nte, kam dies für ihn völ­lig uner­wartet. Es gab keine Erk­lärung. Ich hat­te beschlossen, mich nur noch dem Studi­um zu wid­men — und dem Hungern. In mein­er Wahrnehmung gab es nur dieser Lösung: Entwed­er ich gab mein vielschichtiges, buntes Leben auf, oder ich würde in totaler Mit­telmäßigkeit versinken. Also sper­rte ich alles, was Spaß machte, weg und zog mich von meinen Fre­un­den zurück, ver­ban­nte jede Lebens­freude hin­ter hohen Mauern, deren Zugang ich vergessen wollte, und Türen mit dick­en Schlössern, deren Schlüs­sel ich weg­warf…

Heute, nach fast 30 Jahren, weiß ich, dass das Leben ohne Ess-Störung möglich und ein Gewinn ist. Mein drin­gen­der Rat an alle, die unter ein­er Ess-Störung, Depres­sion oder unendlich­er inner­er Leere und Aus­ge­bran­ntheit lei­den, lautet daher: Mach dich auf den Weg und suche dir pro­fes­sionelle, psy­chother­a­peutis­che Hil­fe.
Trau dich und tu was — denn mit ein­er psy­chis­chen Krankheit kann das Leben niemals schön sein.

 

Abb.: K. H.

Über den Autor/ die Autorin

ehemalige Patientin(nen) des TCEforum

2018-05-15T08:45:04+00:00Mai 18th, 2018|Innenansichten|