Essen braucht Struktur

Wie lerne ich, richtig zu essen? 

Men­schen mit ein­er Ess-Störung haben nicht nur jeglich­es Maß für Art, Menge und Zusam­menset­zung ihrer Nahrung ver­loren, sie essen auch ohne jegliche vernün­ftige phys­i­ol­o­gis­che Tageszeitab­folge. Somit ist es ein Grundge­setz unseres Esspro­gramms, dass in der Tagk­linikphase eine vorgegeben Zeit­struk­tur für die Ein­nahme von Mahlzeit­en einge­hal­ten wird. Selb­stver­ständlich sollte eine gewisse Tageszeitab­folge immer gel­ten, denn irgend­wann, irgend­wo, irgen­det­was oder auch nicht zu essen ist Basis jed­er Ess-Störung.”

(…)

08.30 Uhr: Früh­stück

11.00 Uhr:  2. Früh­stück / Zwis­chen­mahlzeit

12.00 Uhr:  Mit­tagessen

14.00 Uhr:  14-Uhr-Starter/Zwis­chen­mahlzeit

16.30 Uhr:  Nach­mit­tagskaf­fee / -tee

19.00 Uhr:  Aben­dessen

22.00 Uhr: Gute-Nacht-Snack­/Spätmahlzeit”

Was genau und welche Men­gen die einzel­nen Mahlzeit­en bein­hal­ten sollen, hängt ganz vom Ziel der Gewicht­sreg­ulierung ab und sollte indi­vidu­ell mit dem Arzt/der Ärztin und ein­er Diätassistentin/Ernährungstherapeutin besprochen wer­den. Im besten Fall wird dabei ein­er bedarf­s­gerecht­en Mis­chkost ohne irgen­deine Ein­schränkung in der Lebens­mit­te­lauswahl gefol­gt.

Eine Pati­entin schildert ihre Erfahrun­gen mit dem Esspro­gramm in der Tagk­linik:

Ich habe gel­ernt, 7 Mahlzeit­en, das heißt 3 Haupt- und 4 Zwis­chen­mahlzeit­en, zu mir zu nehmen; ich habe ver­lernt, irgend­wann irgen­det­was in großen Men­schen zu essen. Mor­gens esse ich zum Beispiel Corn­flakes, Müs­li, Brötchen, Brot oder Brezeln, zur Zwis­chen­mahlzeit Obst, Schoko­lade, Kekse, Milch oder Saft. Mein Mit­tagessen beste­ht immer aus Haupt­gericht, Salat und Nachtisch (…). Zur zweit­en Zwis­chen­mahlzeit esse ich Nüsse, Obst, Saft, But­ter­milch oder Eis, zum Kaf­fee Kuchen, Brezeln, Brot, Brötchen, Eis oder Müs­li. Das Aben­dessen beste­ht aus Haupt­speise und Salat, zum Beispiel ein­er Por­tion Reis mit Gemüse oder Suppe und Brot und Salat. Zur Spätmahlzeit gibt es dann entwed­er Obst, Joghurt oder Gum­mibärchen. 

Ich esse keine Light- oder Mager­pro­duk­te mehr; jede Mahlzeit hat ihre Menge, an die ich mich hal­ten möchte.

 

Abb.: TCE­fo­rum

Über den Autor/ die Autorin

Monika Gerlinghoff / Herbert Backmund / Cordula Obermeier

aus: Essen will gel­ernt sein — Bei Essstörun­gen und auch son­st. Beltz 2017, ISBN 978–3-407–86489-5

2018-05-15T08:39:41+00:00April 8th, 2018|Essprogramm|