Es gab eine Zeit, da war ich so wütend auf alles…

Ehe­ma­lige Mager­süchtige bericht­en von der Phase des Hochge­fühls, als ihre Krankheit sie stark gemacht hat und sie sich leis­tungs­fähig und unver­wund­bar fühlten. Nichts und nie­mand kon­nte ihnen etwas anhab­en, sie fühlten sich wie “drüber schwebend”. Leicht, bedürfnis­los, stark.

Wahrschein­lich ist, dass dieses Gefühl tat­säch­lich da war. Men­schen, die sich kon­trol­lierten, ärztlich beauf­sichtigten Fastkuren unterziehen, erleben ein ähn­lich­es, beinah eupho­risches Gefühl. Sie genießen es, reini­gen sich inner­lich… und schle­ichen sich dann wieder her­aus aus der doch auch rigi­den und mit Ent­behrun­gen und Ver­boten belegten Zeit des Fas­tens.

Mager­süchtige machen weit­er. Immer weit­er. Noch ein Kilo weniger, noch zwei… Es geht nicht anders. Nur Abnehmen zählt. Der Krankheits­gewinn ist mächtig, selb­st wenn man sich irgend­wann über­haupt nicht mehr gut fühlt. Die Ner­ven liegen blank; ich selb­st erin­nere mich, wie ungeduldig und fordernd zugle­ich ich war. Ich war gen­ervt von den­jeni­gen, die im Sem­i­nar nicht vor­bere­it­et waren und nicht sofort die richti­gen Antworten wussten. Kleinigkeit­en bracht­en mich inner­lich in große Span­nun­gen, etwa die Bitte ein­er Fre­undin, mir meine Mitschrift zur Ver­fü­gung zu stellen, weil sie selb­st krank war und die Vor­lesung ver­passt hat­te. Ich has­ste fröh­liche, laute Kinder­stim­men auf der Straße oder in Parks und ver­achtete Men­schen, die genussvoll in der Sonne sitzend ihre Mahlzeit­en aßen. Anste­hen vor Super­mark­tkassen oder in der Post machte mich wütend. Am lieb­sten hätte ich laut geschrien — statt dessen ließ ich meine näch­ste Mahlzeit noch klein­er aus­fall­en und das gab mir Trost. Irgend­wann verebbte diese Wut und machte ein­er großen, umfassenden Trau­rigkeit Platz…

Kennst Du diese Gefüh­le? Geht es Dir vielle­icht ganz ähn­lich? Lass nicht zu, dass die Mager­sucht mit Dir spielt und Dir ein falsches Leben vor­gaukelt. Lass Dir helfen, Dich von den dun­klen Gedanken zu ver­ab­schieden und endlich, endlich her­auszufind­en, wer Du sein willst. Ich bin ganz sich­er, es lohnt sich.

 

 

 

Foto: K. H., bear­beit­et von D. B.

Über den Autor/ die Autorin

ehemalige Patientin(nen) des TCEforum

2018-04-30T18:45:29+00:00April 30th, 2018|Denkanstöße|