Die Krankheit ist unglaublich hartnäckig — deshalb: Nachsorge!

Lau­ra, 24, Stu­dentin, über die Nach­sorge:

Man glaubt nicht, wie hart­näck­ig diese Krankheit sein kann. Ich habe trotz großer Zweifel mein Studi­um fort­ge­set­zt, kon­nte soziale Äng­ste abbauen und das Ver­hält­nis zu meinen Eltern und zu Gle­ichal­tri­gen verbessern. Nach außen hin ging es mir also bess­er als je zuvor. Und den­noch lauert die Ess-Störung an jed­er Ecke. Da einem selb­st die symp­to­ma­tis­chen Ver­hal­tensweisen oft nicht sofort auf­fall­en, ist es hil­fre­ich, regelmäßig Rück­mel­dun­gen aus der Gruppe und von den Ther­a­peuten zu bekom­men. Durch die What­sApp-Gruppe habe ich außer­dem die Möglichkeit, Prob­leme unmit­tel­bar anzus­prechen und mir Ratschläge einzu­holen. Beson­ders in Prü­fungsphasen oder nach Ent­täuschun­gen neige ich dazu, in alte Gedanken­muster zu ver­fall­en und rück­fäl­lig zu wer­den. Ich bin mir sich­er, dass ich mich ohne die Hil­fe des TCE­fo­rums bere­its wieder aufgegeben und Zuflucht in ein­er Klinik gesucht hätte. Doch ich weiß, dass ich nicht mehr dahin zurück möchte. Ich habe so viele Jahre meines Lebens mit mein­er Krankheit vergeudet und mich von mein­er gewohn­ten Umge­bung immer weit­er ent­fer­nt. Hätte ich damals gewusst, dass nicht ein möglichst langer und inten­siv­er Klinikaufen­thalt, son­dern eine gute Nach­sorge auss­chlaggebend ist, hätte ich vieles anders gemacht und das Heimtück­ische dieser Krankheit auch früher und bess­er ver­standen.

Über den Autor/ die Autorin

Monika Gerlinghoff / Herbert Backmund / Cordula Obermeier

aus: Essen will gel­ernt sein — Bei Essstörun­gen und auch son­st. Beltz 2017, ISBN 978–3-407–86489-5

2018-05-24T12:41:56+00:00Juni 16th, 2018|Nachsorge|